Haltestellen

Fachwissen und praktische Hinweise zum Thema:

Haltestellen des ÖPNV

Nach Planung und Bau der Bushaltestelle testet in Eigenkontrolle der Vorarbeiter ob die Verlegung der Bodenindikatoren auch die taktilen Ansprüche erfüllen.

Allgemeines

Die barrierefreie Gestaltung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) gilt als wichtiges gesellschaftspolitisches Ziel in der Personenbeförderung. Darin bezweckt der Nahverkehrsplan die Anforderungen von Menschen mit Behinderungen zu berücksichtigen. Der ÖPNV ist die allgemein zugängliche Beförderung von Personen mit Verkehrsmitteln im Linienverkehr und dient der Sicherstellung einer ausreichenden Bedienung der Bevölkerung mit öffentlichen Verkehrsleistungen. Mit der barrierefreien Gestaltung verbessert sich der ÖPNV insgesamt und erwirkt damit positive Effekte für alle Fahrgäste.

Der ÖPNV unterliegt einer gesetzlichen Regelung und unterteilt sich in

  • öffentlicher Straßenpersonennahverkehr (ÖSPV),
  • Schienenpersonennahverkehr (SPNV) und
  • ÖPNV-Sonderformen, wie z. B. Sammeltaxi, Standardseilbahn, Hängebahn, Mietwagen usw.

Weitere zu beachteten gesetzlichen Grundlagen:

    • Straßenbahn-Bau- und Betriebsordnung (BOStrab)
      • § 27 Beleuchtungsanlagen
      • § 31 Haltestellen, konstruktive Anforderungen
      • § 32 Anforderungen an Fahrtreppen und Fahrsteige
      • § 51 Signale (vgl. [36])
    • Betriebsordnung Kraft (BOKraft)
      • § 32 Haltestellen – Liniennummer, Name des Unternehmen usw.
      • § 35 Übersicht über Linienverlauf und Haltestellen
      • § 36 Ausnahmen für Sonderformen des Linienverkehrs
    • Straßenverkehrsordnung (StVO)
      • § 12 Halten und Parken
      • § 45 (3) Haltestellenzeichen 224 (Haltestellenschild)
      • § 25 (3) Fahrbahnüberquerung, auf dem kürzesten Weg quer zur Fahrtrichtung an sicheren Überquerungsstellen (Lichtsignalanlagen und Fußgängerüberwege)


Bus-Haltestellenbord als Formstein mit Spurführung


Empfohlene Reststufenhöhe und Restspaltbreite für fahrbare Mobilitätshilfen

Um die Ein- und Austrittsstufe sowie den Spalt zwischen Fahrzeug und Haltestellenkante so gering wie möglich zu halten, wurden spezielle Formsteine entwickelt, die über spezielle Übergangssteine bis zum Haltestellenbord angepasst sind. Die Wahl des Haltestellenbordes ist abhängig von den jeweiligen fahrzeugspezifischen Eigenschaften. Dazu werden unterschiedliche Bordhöhen angeboten z. B. 16 cm, 18 cm, 22/23 cm, 24/30 cm. Diese hohen Haltekanten ermöglichen bei entsprechender Abstimmung von Bordhöhe und Fahrzeug den autonomen Zustieg von Personen mit Rollator, Rollkoffern, Kinderwagen, gehbehinderte Personen oder Personen im Rollstuhl etc.

Kurz nach der Fertigstellung der Anlage überprüft die Leiterin der ortsansässigen Blinden und Sehbehindertengruppe die neue Haltestellenposition auf Funktionsfähigkeit der Bodenindikatoren.

Die Gestaltung von Haltestellen unterliegen vielseitige Faktoren, z. B. der Topografie, ihr (städte-)bauliches Umfeld, der Abhängigkeit von verschiedenen Rahmenbedingungen, wie Haltestellentyp, Fahrzeuglänge, Bewegungsfläche, Radwegeführung, etc. Jedoch gibt es Grundelemente der Barrierefreiheit, die in jeder Haltstelle eingerichtet werden sollen (müssen): Bodenindikatoren.

Grundelemente Bodenindikatoren an Haltestellen ohne Einstiegsfeld und mit Einstiegsfeld

Die Anordnung der Bodenindikatoren einer Haltestelle muss sich eindeutig gegenüber einer Überquerungsstelle unterscheiden.
Der Grundsatz lautet:

Verlegeregeln Bodenindikatoren

Bei Bus- und Straßenbahnhaltestellen am Fahrbahnrand verläuft der Auffindestreifen mit Rippenstruktur parallel zum Haltestellenbord.
Tiefe 90 cm, mindestens 60 cm, über die gesamte Breite des Gehweges bis zur Einstiegsstelle (i. d. R.) die erste Einstiegstür.
Haltestellenbereiche mit Leitstreifen werden parallel zum Haltestellenbord im Abstand von mindestens 60 cm angelegt und schließt am Einstiegsfeld an.
Das Einstiegsfeld mit Rippenstruktur beträgt 1,20 m parallel zur Bordsteinkante mit einer Tiefe von 90 cm. Der Abstand zur Bordsteinkante beträgt 30 cm.
Die Bodenindikatoren müssen sich visuell und taktil vom Umgebungsbelag absetzen. Ist das nicht möglich, sind Begleitstreifen oder Begleitflächen vorzusehen

Haltestellenkante

Zum barrierefreien Ein- und Ausstieg am Verkehrsmittel spielt die Reststufenhöhe und die Spaltbreite eine bedeutungsvolle Rolle, denn die Einstiegsstufen und Spalte zwischen Fahrzeugen und Warteflächen bereiten besonders gehbehinderte Menschen und Rollstuhlnutzer erhebliche Schwierigkeiten. Die Kombination Reststufenhöhe und Spaltbreiten sollten deshalb so gering wie möglich sein.
Die Form und Höhe ist abhängig vom Fahrzeugtyp sowie der Öffnungsart der Fahrzeugtüren.

Für den barrierefreien Einstieg ist anzustreben:

  • eine Höhendifferenz (Reststufe) zwischen Oberkante Haltestellenbord und Fahrzeug mit 5 cm
  • ein horizontaler Abstand zum Fahrzeug ebenfalls mit 5 cm

Problematik bei größeren Werten

  • Bei Spaltbreiten > 5 cm besteht Verkantungsgefahr (Rollstuhl muss angekippt werden).
  • Einstieg bei Höhendifferenzen > 5 cm ist nur noch mit fremder Hilfe und technischen Hilfsmitteln überwindbar.
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