Wegeführung

Bodenindikatoren mit Hohlkörper in Noppen- und Rippenstruktur

Blinde und sehbehinderte Menschen nutzen für ihre Wegefindung alle
taktilen, visuellen und akustischen Informationen, die ihnen aus der
natürlichen und gebauten Umwelt zugänglich sind. Diese Informationen
sind jedoch nicht immer zuverlässig oder ausreichend erkennbar.
Deshalb sind Bodenindikator entwickelt worden, die als standardisiertes
Bodenelement mit Rippen- oder Noppenstruktur zur Information,
Orientierung, Leitung und Warnung dienen. Für blinde und sehbehinderte
Menschen müssen diese Bodenindikatoren einem hohen taktilen, visuellen
und gegebenenfalls akustischen Kontrast zum angrenzenden Bodenbelag
aufweisen (vgl. DIN 32984).

Bodenindikatoren aus Hohlkörpern

Die veränderte Akustik vom Aufmerksamkeitsfeld an der Drehflügeltür gegenüber den anliegenden Bodenindikatoren vom Leitsystem aus Faserbeton macht deutlich, dass hier der Eingang zu Mensa beginnt.

Die Bodenindikatoren aus Hohlkörpern bestehen aus Polymerbeton verfügen über einen hohlen Innenraum und bestehen lediglich aus Wänden, Boden und einer Abdeckung. Dadurch entstehen beim Kontakt mit dem Langstock eine erhöhte Frequenz und eine eindrucksvolle akustische Wahrnehmung. Diese Eigenschaft ist besonders vorteilhaft als Warnelement, z. B. für Einstiegsfelder an Haltestellen, Aufmerksamkeits- felder an Türen und Treppen sowie als Abzweigfeld im Leitsystem.

Entwässerungsrinne mit Abdeckrost als akustische Leitlinie

Die taktile Erkennbarkeit mit dem Langstock lässt sich zu den allgemein bekannten Bodenindikatoren aus Beton auch durch physikalische Veränderungen (Hohlkörper) und durch auffällige Materialien mit akustischen Eigenschaften verbessern, z. B. durch Keramik, Kunststoff oder Metalle bzw. aus Grauguss in der Struktur von Rippen- und Noppenprofil.
Die Abdeckungen von Entwässerungsrinnen können als Leitlinie in Verkehrsflächen geeignet sein, wenn ihre Struktur sich taktil und visuell eindeutig von der Umgebung unterscheidet. Sie können als ein Element in ein Leitsystem eingebunden werden (vgl. DIN 32984).

Leitelemente aus Rostabdeckungen

Proband mit Langstock testet die auditive Nutzbarkeit eines Rinnen-elementes mit Graugussabdeckung als Leitlinie. Der helle akustische Klang vom Rinnenelement ermöglicht die Einhaltung der Gehrichtung bis zum
Rinnenende.

Rinnenelemente mit Abdeckrosten ohne Leitprofil sind nur bedingt geeignet. Im Querschnitt der Nennweite von ca. 15 cm ist eine akustische Wahrnehmung mit dem Langstock zu den anliegenden Bodenplatten möglich. Die Anwendung kann sein zum Beispiel an einer Grundstücks- zufahrt, wenn die Oberflächenentwässerung zur öffentlichen Verkehrsfläche unterbunden werden muss.

Darstellung von Entwässerungsrinnen mit Abzweigfeldern zur Richtungsänderung im Leitsystem

Anmerkung:
Zur Ableitung von Oberflächenwasser werden oft zur Linienentwässerung von Plätzen, Fußgängerzonen etc. Rinnenelemente mit Graugussabdeckungen eingesetzt. Durch den höheren Klangton der Graugussabdeckung im Zusammenhang mit dem Hohlraum der Kastenrinne, entsteht eine hervorragende akustische Leitfunktion mit dem Langstock. Im Kontext der Nutzung dieser Rinnenelemente für blinde und sehbehinderte Menschen, lassen sich die Abdeckungsaufsätze in Rippen- und in Noppenstruktur gut in das Leit- und Orientierungssystem nach Vorlagen der DIN 32984 integrieren. Die Entwässerungsrinnen können in Kombination von Noppen- und Rippenabdeckplatten zu Abzweigfeldern zusammengefügt werden. Das Rastermaß beträgt 100 cm x 90 cm. Entsprechend der Fließrichtung des Oberflächenwassers ist die Rinnensohle dementsprechend anzupassen (siehe Skizze).

Vorteile für die barrierefreie Nutzung:

  • hohe akustische Taktilität mit dem Blindenlangstocknutzer
  • variable Farbgebung der Rinnenoberfläche zum visuellen Kontrast für Sehbehinderte

Voraussetzungen für die barrierefreie Nutzung:

  • sinnvolles Einbinden an das Leitsystem nach DIN 32984
  • Rippenhöhe: 5 mm
  • Rastermaße: 500 mm x 287 mm/ x 30 mm (L/B/H)
  • Gewährleistung des Rutschwiderstandes nach SRT- Wert > 55
  • Rutschhemmende Eigenschaft: R10 (DIN 51130

Anwendungsbeispiele zu akustischen Bodenindikatoren sind im Handbuch „IM DETAIL – Gestaltung barrierefreier Verkehrsraum, Teil I und Teil II“ aufgezeichnet.

Muster für Behindertenstadtplan

Beispiel innerstädtisches barrierefreies Wegeleitsystem

Für Menschen mit Behinderung ist eine barrierefreie Orientierung in einer Stadt unumgänglich. Die Stadtpläne sollten Wege und Plätze aufzeigen, die barrierefrei gestaltet sind. Das betrifft sowohl die Fußgängerüberquerungsstellen an den Straßen als auch die Nutzung der Freiräume z. B. öffentliche Plätze.

Erläuterungen

Der Straßenraum unterliegt den unterschiedlichsten Nutzungsansprüchen mit seinen entsprechenden verkehrlichen Kriterien.

Der Raumbedarf erstreckt sich vom fließenden Verkehr für das Versorgungspotential, dem öffentlichen Personennahverkehr, dem individuellen Kraftfahrzeugverkehr bis hin zu dem Rad- und Fußgängerverkehr.

Aus den Nutzungsansprüchen der Verkehrsteilnehmer entsteht eine bestimmte Raumaufteilung, die zu Verkehrs- und Wegenetzen führen. Sie werden durch den Quell- und Zielverkehr bestimmt. Die Individualität der Fußgänger mit ihrer eigenständigen Wegebeziehung ist äußerst vielseitig und umfangreich.

Die Menschen benutzen den öffentlichen Verkehrsraum mit unterschiedlicher Konstitution mit ihren persönlichen positiven und negativen Veranlagungen, einschließlich ihrer körperlichen, kognitiven und seelischen Merkmalen.

Laut „direkt“ Nr. 54/2000 (Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen) sind jedoch die vermeintlich nicht behinderten Bürger zumindest zum Teil, temporär mobilitätsbehindert. So kann die von barrierefreien Baumaßnahmen betroffenen Personen“ … durchaus mit 30 % Bevölkerungsanteil angenommen werden. Dieser Wert wird wegen der Zunahme der Zahl älterer Personen langfristig sogar steigen.“
Von mobilitätsbehinderten Personen werden bis zu 45% aller Ortsveränderungen zu Fuß oder im Rollstuhl vorgenommen. Daraus lassen sich u. a. bei der Gestaltung des Straßenraumes folgende Bedürfnisse ableiten:

  • Selbstständige Bewältigung von Wegen,
  • selbstständiges Auffinden und Verstehen von Informationen,
  • selbstständiges Nutzen von Transportmitteln, insbesondere des ÖPNV,
  • gefahrloser und angstfreier Aufenthalt im Straßenraum,
  • Vorfinden von Verweilplätzen,
  • Betätigungsangebote bei Freizeitanlagen.

Infolge der daraus resultierenden Bewegungsabläufe lässt sich ein Wegesystem entwickeln, dass vom grundmaschigen Netz zu flächendeckenden behindertengerechten Wegesystem oder auch zu einem partiellen Wegesystem führt.
Sinnvoll ist, wenn vom Grundnetz ausgehend, kontinuierlich sukzessiv ein Nachrüsten oder Verdichten erfolgt. Derartige Wegesysteme sind in Stadtzentren, Wohngebieten, Wohn- und Arbeitsstätten sowie in Erholungsgebieten als geschlossene bzw. vereinzelne Wegeführungen vorzusehen.

Einbezogen werden sollten Ziele wie z. B. Krankenhäuser, Altenheime, Arztpraxen sowie soziale, sportliche und kirchlichen Einrichtungen, Einkaufsstätten, Wohnungen und Arbeitsstätten als auch Wege zu Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel, Parkplätzen bzw. Parkhäusern.

Behindertenparkstände sind möglichst in der Nähe von Haltestellen des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) und nahe von öffentlichen Einrichtungen anzulegen.

Übersicht Wegesysteme

Die obere Karte zeigt einen Planausschnitt von Gestaltungsmöglichkeiten für ein barrierefreies Wegesystem als gesonderter Stadtplan. Die Symbole sind wegen der Lesbarkeit hier größer dargestellt. Im Originalmaßstab muss ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Plangröße und Symbolik vorliegen.

Wegbeschreibung:

  1. Rollstuhlfahrer, Blinde und Sehbehinderte können vom Bahnhof zum Zielpunkt (z.B. Städtische Verwaltung, Polizei oder Post) barrierefrei über die gesicherten Straßenquerungsstellen der Bahnhofstraße, Rabanusstraße gehen.
  2. Rollstuhlfahrer können auch vom Bahnhof aus barrierefrei eine Abkürzung zur Post über die Bahnhofstraße, Lindenstraße benutzen. Für die Blinden und Sehbehinderten ist dieser Weg kein gesicherter Übergang (er soll also nicht begangen werden).
  3. Eine barrierefreie Treppenanlage befindet sich in einer Passage zwischen zwei Geschäftshäusern.
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